Einweihung am Bodensee: Europas größte Agri-PV-Anlage über Äpfeln

In Kressbronn feierten wir am vergangenen Wochenende in Gesellschaft von rund 200 Gästen die Einweihung der größten Agri-PV-Anlage Europas über Äpfeln. Mit einer Leistung von 2,4 MWp erzeugt die Anlage rechnerisch Strom für rund 600 Haushalte. Das Projekt auf dem Obsthof Bernhard verbindet ein Schutzdach aus halbtransparenten Solarmodulen mit einem 3,4 MWh starken Batteriespeicher und einer direkten Stromlieferung an die rund 500 Meter entfernte Apfelsortieranlage der BayWa Obst. Baulich umgesetzt wurde die Anlage vom Maschinenring Tettnang. Die Kombination zeigt, wie Agri-PV landwirtschaftliche Kulturen schützen und zugleich wirtschaftlich tragfähig werden kann - ganz ohne Förderung.

Eine Anlage baut man nicht allein

Zeremoniell eröffnet wurde die Anlage von Staatssekretärin Sarah Schweizer, Martin Hahn MdL und Bürgermeister Daniel Enzensperger. Über ihren Besuch haben wir uns sehr gefreut!

Es folgten emotionale Reden von Hubert und Sina Bernhard, Leander Hengge vom Maschinenring GmbH Tettnang sowie unseren beiden Gründern Mark Kugel und Josef Haverkampf, geprägt von Rückblicken und Danksagungen. Allein an dieser Stelle wurde deutlich, wie viele Partner und wie viel Know-how ein Projekt wie dieses benötigt. In der Praxis bedeutet das klare Kommunikation, pragmatische Lösungen, Ärmel hochkrempeln und besonders viel Mut, einfach mal zu machen.

Ein Solardach, das Licht für die Äpfel lässt

Die Module über den Apfelbäumen erfüllen zwei Aufgaben: Sie erzeugen Strom und bilden ein Schutzdach für die darunterliegenden Kulturen. Durch ihre halbtransparente Bauweise lassen sie zugleich Licht für die Äpfel hindurch.

„Wenn man heute hier zwischen den Apfelbäumen steht, sieht man, wie Landwirtschaft und Stromerzeugung auf derselben Fläche zusammenkommen können. Für uns ist entscheidend, dass wir weiterhin erfolgreich Äpfel anbauen. Die Module sollen den Bäumen Schutz bieten und ausreichend Licht durchlassen. Gleichzeitig schaffen wir uns mit dem Solarstrom ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein“, sagte Obstbauer Hubert Bernhard bei der Einweihung.

„Wir freuen uns, mit der Montage der Anlage Teil dieses Projekts zu sein. Besonders überzeugt uns das Modell dahinter: Der Landwirt wird selbst Eigentümer der Anlage, und die Wertschöpfung bleibt auf seinem Hof“, sagte Leander Hengge, Geschäftsführer des Maschinenrings Tettnang.

Batteriespeicher als Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist der Batteriespeicher. Er ermöglicht es, Stromerzeugung und Vermarktung zeitlich voneinander zu entkoppeln.

„Diese Einweihung zeigt, dass sich auch technisch anspruchsvolle Agri-PV-Projekte unter den derzeit schwierigen Rahmenbedingungen umsetzen lassen. Entscheidend ist, dass wir Stromerzeugung, Batteriespeicher und Vermarktung von Anfang an zusammendenken. So schaffen wir die wirtschaftliche Grundlage dafür, dass Anlagen wie diese für viele weitere Höfe möglich werden“, erklärte Mark Kugel, unser Mitbegründer, anlässlich der Feier.

Kurzer Weg vom Apfelanbau zur Obstsortierung

Eine weitere Besonderheit ist die direkte Verbindung zur BayWa Obst. Grundlage ist ein direkter Stromliefervertrag, ein sogenanntes On-Site Power Purchase Agreement, kurz PPA.

„Von Apfel zu Apfel kann man hier ganz wörtlich nehmen: Über diesen Bäumen erzeugen wir künftig Strom, der rund 500 Meter weiter in der Apfelsortierung gebraucht wird. Wir bringen Erzeugung und Verbrauch direkt zusammen. Mit dem Batteriespeicher können wir außerdem flexibel auf den Strommarkt reagieren. Genau dieses Zusammenspiel macht das Projekt wirtschaftlich so interessant“, sagte Josef Haverkampf, unser Mitbegründer, bei der Einweihung in Kressbronn.

Ausbau trotz schwieriger Branchenlage

Die Einweihung fand in einer herausfordernden Phase für die Agri-PV-Branche statt. Suboptimale regulatorische Rahmenbedingungen und damit zusammenhängende Insolvenzen führender Unternehmen der Branche prägten den Vorlauf. Wir zeigen in Kressbronn, dass mit einer effektiven Verbindung von Agri-PV, Batteriespeichern und passenden Absatzwegen für den erzeugten Strom wirtschaftlich erfolgreiche Projekte auch in diesem Umfeld möglich sind.

Dennoch hat Mark Kugel einen klaren Appell, den er bei der Einweihung unter anderem an Sarah Schweizer, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, sowie an Martin Hahn, Landtagsabgeordneten für den Wahlkreis Bodensee richtet:

„Hier in Kressbronn zeigen wir, wie sich Agri-PV wirtschaftlich umsetzen lässt. Damit viele weitere Höfe diesen Weg gehen können, muss die Politik jetzt die richtigen Voraussetzungen schaffen: Speicher müssen ohne weitere Verzögerung sowohl Solarstrom als auch Netzstrom nutzen können. Wir brauchen flexible Netzanschlüsse und praxistaugliche technische Regeln für die direkte Belieferung benachbarter Verbraucher. Und eigenständige, baurechtlich privilegierte Agri-PV-Anlagen in Hofnähe dürfen nicht länger durch die rechtliche Zusammenfassung mit benachbarten Anlagen wirtschaftlich benachteiligt werden. Wer Agri-PV in die Breite bringen will, muss es vielen landwirtschaftlichen Betrieben ermöglichen, selbst zu investieren.“

Ein Fest, das schwer zu toppen ist

Überwältigt hat uns das große Interesse an unseren Touren durch die Agri-PV-Anlage und die Vielzahl der Fragen! Aber eine Feier ist keine Feier ohne Speis und Trank, musikalische Unterhaltung, unsere Hüpfburg und neuerdings die Schokokussschleuder, die nicht nur für einen Lacher gesorgt hat.

Genauso wenig wie die Anlage wäre auch dieses Fest ohne unsere Partner zustande gekommen. Das Zelt kam vom Zeltverlag Hagg, das Catering von Adrian & Fritz, die Getränke von Meckatzer Löwenbräu und Steinhauser, den Service haben die Landfrauen und die Landjugend übernommen. Für die Musik sorgte der Musikverein Kressbronn, und Björn Rieger hat den Tag für uns festgehalten. Aus einer Einweihung ist so ein Fest geworden, das schwer zu toppen ist.

Und eins ist auch klar geworden: Wir sind als Team extrem gut eingespielt und können auch Events mit 200 Gästen wuppen.

Vielen Dank an alle, die mit uns gefeiert haben!

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